Die Dreiheit des Bösen in der Johannes-Apokalypse

 

In der „Johannes-Apokalypse“ finden wir eine Dreigliederung des Soratwesens als „Das Tier am Himmel“, „Das Tier aus dem Meer“ und „Das Tier aus der Erde“. Bilder: Staatsbibliothek Bamberg

 

Das Tier am Himmel:

„Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war. Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Szepter herrschen wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und seinem Thron entrückt. Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte; dort wird man sie mit Nahrung versorgen, zwölfhundertsechzig Tage lang.“ (Apokalypse 11, 19; 12, 1-6)  

 

Das Tier aus dem Meer:

„Und ich sah: Ein Tier stieg aus dem Meer, mit zehn Hörnern und sieben Köpfen. Auf seinen Hörnern trug es zehn Diademe und auf seine Köpfen Namen, die eine Gotteslästerung waren. Das Tier, das ich sah, glich einem Panther; seine Füße waren wie die Tatzen eines Bären und sein Maul wie das Maul eines Löwen. Und der Drache hatte ihm seine Gewalt übergeben, seinen Thron und seine große Macht. Einer der Köpfe sah aus wie tödlich verwundet; aber die tödliche Wunde wurde geheilt. Und die ganze Erde sah dem Tier staunend nach. Die Menschen warfen sich vor dem Drachen nieder, weil er seine Macht dem Tier gegeben hatte; und sie beteten das Tier an und sagten: Wer ist dem Tier gleich, und wer kann den Kampf mit ihm aufnehmen?“ (Apokalypse 13, 1-5.11-14)

 

Das Tier aus der Erde:

„Und ich sah: Ein anderes Tier stieg aus der Erde herauf. Es hatte zwei Hörner wie ein Lamm, aber es redete wie ein Drache. Die ganze Macht des ersten Tieres übte es vor dessen Augen aus. Es brachte die Erde und ihre Bewohner dazu, das erste Tier anzubeten, dessen tödliche Wunde geheilt war. Es tat große Zeichen; sogar Feuer ließ es vor den Augen der Menschen vom Himmel auf die Erde fallen. Es verwirrte die Bewohner der Erde durch die Wunderzeichen, die es im Auftrag des Tieres tat; es befahl den Bewohnern der Erde, ein Standbild zu errichten zu Ehren des Tieres, das mit dem Schwert erschlagen worden war und doch wieder zum Leben kam. Es wurde ihm Macht gegeben, dem Standbild des Tieres Lebensgeist zu verleihen, so dass es auch sprechen konnte und bewirkte, dass alle getötet wurden, die das Standbild des Tieres nicht anbeteten. Die Kleinen und die Großen, die Reichen und die Armen, die Freien und die Sklaven, alle zwang es, auf ihrer rechten Hand oder ihrer Stirn ein Kennzeichen anzubringen. Kaufen oder verkaufen konnte nur, wer das Kennzeichen trug: den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens, hier braucht man Kenntnis. Wer Verstand hat, berechne den Zahlenwert des Tieres. Denn es ist die Zahl eines Menschennamens; seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig.“ (Apokalypse 13, 1-5.11-14)

 

Die Darstellung des Bösen in einem Dreischritt dürfte wohl beschreiben, wie sich das Soratwesen immer stärker im Irdischen manifestiert: Der "Drache am Himmel" gibt das Bild, wie das Wesen zunächst im Astralischen wirksam wird, also den Menschen im Bewusstsein ergreift, der "Drache aus dem Meer" zeigt dann dessen weitere Wirksamkeit im Ätherischen oder in den Lebenskräften des Menschen und schließlich erreicht Sorat seine unmittelbare Macht bis in die physische Leiblichkeit des Menschen hinein mit dem "Drachen aus der Erde". Dieser dritte Drache, in manchen Beschreibungen auch als „Lügentier“ bezeichnet, dürfte wohl die stärkste Manifestation des Bösen sein. Man vergleiche auch die zweigehörnte Darstellung in der Apokalypse mit der imaginativen Darstellung des Soratwesens nach dem deutschen Geistforscher Heinz Grill, welche in dem linken Bild  mit dem gegabelten Stachel auf jeder Seite dieser Homepage erscheint. Auch Heinz Grill spricht in Bezug auf dieses Bild davon, dass das Sorat-Wesen ein „Meister der Lüge“ ist, das heißt, ein Wesen, das abgrundtiefe Dämonenhaftigkeit hinter einer Göttlichkeit verbirgt. Das Bild in der Apokalypse zeigt den Drachen so, dass er den dargestellten Menschen den Rücken zuwendet und nur sein Blick auf sie gerichtet ist. Damit wollte der Zeichner das Wesen der Lüge und Täuschung ausdrücken.

 

Zerlegt man die in der Apokalypse bei dem dritten Drachen genannte Zahl in folgender Weise:

 

400         200          6          60

 

und beachtet, dass diesen Zahlenwerten im Hebräischen folgende Buch-staben entsprechen:

 

Taw        Resch        Waw      Samech

 

Beachtet man weiterhin die Aussprache:

 

t, at            r            o           s

 

so erhält man, wenn man, wie es im Hebräischen üblich ist, von rechts nach links liest, das Wort „Sorat“.

Die Bilder entstammen dem ca. 1000 Jahre alten Buchkodex der Bam-berger Apokalypse, Staatsbibliothek Bamberg. Siehe auch in den Literaturhinweisen das Buch von Rudolf Steiner, "Die Apokalypse des Johannes".